Mittwoch, 16. Dezember 2009

Saigon

Nachdem es nur Nachtbusse und -züge nach Saigon zu wirklich unmöglichen Zeiten gab, fuhren wir am nächsten Tag in der Früh mit dem normalen Zug nach Ho Chi Minh City. Wir kamen am späten Nachmittag an und machten uns erstmal auf die Suche nach einem Hotel. Da es auch in Saigon genügend preisgünstige Zimmer gab, war das kein Problem. Nach dem Abendessen bummelten wir dann noch die Stadt, aber nachdem ich ein bisschen Probleme mit dem Bauch hatte verzichtete ich auf die üblichen Abendbierchen und ging ins Bett.

Am naechsten Tag stand dann ordentlich Sightseeing auf dem Programm. Wir begannen bei der Reuniification Hall (dem frueheren Praesidenten Palast). Dort standen auch noch alte Panzer und Flugzeuge aus der Zeit des Vietnam Krieges rum. Das Gebaeude an sich war aber ein haesslicher kommunistischer Plattenbau, den man sich schon mal anschauen kann, aber sicher nicht muss. Von dort ging es weiter zur Notre Dame Kathedrale, die aber leider zur Mittagszeit geschlossen hatte. Da auch das War Crime Museum ueber Mittag geschlossen hatte, bummelten wir durch die Stadt und genehmigten uns ein Mittagessen. Danach ging's aber dann direkt zum War Crime Museum, welches fuer mich wirklich erschreckend und schockierend war. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Leute waehrend des Vietnam Krieges misshandelt und gefoltert wurden. Nach knapp zwei Stunden schockierender Bilder und Berichte hatten wir uns erstmal ein Bier verdient. Anschliessend gingen wir auf einen Markt und beschlossen dann aber nach einem ganzen Tag voll mit Laufen und Sightseeing zur Massage zu gehen.

In Ho Chi Minh City gibt es eine Einrichtung, wo man sich von Blinden massieren kann. Das ist einerseits serioes und andererseits unterstuetzt man das Blinden - Programm. Danach gabs ein wahnsinns Barbecue und Karaoke. Leider verletzte sich Jochen schon wieder, dieses mal rutsche er beim Tanzen aus und verstauchte sich den Knoechel. Damit war der Abend erstmal gelaufen und wir gingen heim.

Am naechsten Morgen ging's ins Mekong Delta. Der Ausflug entpuppte sich aber mehr als touristische Kaffeefahrt, bei der man alle 10 Meter irgendwelche lokalen Produkte von Honig ueber Klamotten, Lederwaren und Schnapps kaufen konnte. Wir schipperten ein bisschen mit Booten herum, wurden in Pferdekutschen herumkutschiert, sahen wie man aus Kokosnuessen Suessigkeiten machen kann und wurden mit lokalen Gesaengen unterhalten. Alles in allem war es ein netter und unterhaltsamer Tag, auch wenn ich mir persoenlich mehr landschaftliche Eindruecke vom Mekong Delta erwartet hatte.

Am naechsten Tag fuhren wir dann noch zu den Cu Chi Tunneln, eine Tunnel Netzwerk welches sich in der Naehe von Saigon ueber mehr als 250km erstreckt. Die Eingaenge zu den Tunneln waren so eng, dass ich mit meinen breiten Schultern nicht durchpasste. Zum Glueck gab es aber auch einen Tunnel, der extra fuer Touristen ausgebaut worden war. Ansonsten konnte man dort auch noch mit diversen Maschinengewehren schiessen, einen vietnamesischen Propagandafilm schauen und die Guerilla Methoden der Vietcong bestaunen. Zurueck in Saigon wollten wir dann noch einen kurzen Abstecher nach Chinatown machen. Unser Taxifahrer meinte er wuesste wo's hingeht. Als wir aber am Ziel angekommen waren, sah es irgendwie gar nicht nach Chinatown aus und wir schauten ihn fragend an. Da deutete er nur auf das Hotel auf der linken Seite und meinte "Sheraton". Das ganze muss man sich mit einen extremen asiatischen Akzent vorstellen. Wir fingen furchtbar an zu lachen und stiegen aus. Der arme Taxifahrer denkt aber wohl bis heute alles richtig gemacht zu haben. Schliesslich schafften wir es aber dann doch noch nach Chinatown, was leider wenig spektakulaer war. Deshalb widmeten wir uns lieber einem weiteren ueppigen Abendessen, bevor wir nach ein paar Feierabend Bierchen ins Bett gingen, weil es am naechsten Morgen schon um sechs mit dem Bus nach Cambodia ging.

Nha Trang

Die Nacht im Schlafbus war wenig spektakulär und m nächsten Morgen waren wir um sechs in Nha Thrang. Nachdem wir uns erst ein Hotel gesucht hatten, gab es erstmal ein anständiges Frühstück mit Omlett und Kaffee. Frisch gestärkt mächten wir uns erst auf Richtung Bahnhof um schon mal unsere Zugtickets für den nächsten Tag zu buchen, da wir keinem der Hotelmanager noch so richtig über den Weg trauten.

Anschließend ging es zur ersten Attraktion der Stadt, einer Buddha Statue hinter einem weiteren Tempel. Erst da realisierten wir, dass wir alle noch ziemlich geschlaucht von der Nacht waren und eigentlich relativ wenig Lust auf den hundert und drei und vierzigsten Tempel hatten. Deshalb beschlossen wir in eine nahe gelegenes Spa zu fahren, welches berühmt für seinen Heilschlamm und seine heißen Quellen war. Gesagt getan. Für ganze drei Euro durften wir uns eine knappe Stunde im Schlamm suhlen und anschließend in Becken mit heißem Mineralwasser entspannen. Eine Riesen Gaudi. Nach ca 3 Stunden hatten wir aber genug von Entspannungs-Bädern und wir suchten uns ein kleines Restaurant mit Meerblick. Leider konnte das Personal überhaupt kein Englisch, aber mit den Bildern in der Speisekarte konnten wir dann doch irgendwie unsere Bestellung aufgeben. Das Ergebnis war ein weiteres Festmahl für 3 Euro (inklusive 3 Getränken pro Person, Seafood, Gemüse und Reis). Das Preis-Leistungs-Verhältnis in Vietnam für Essen und Trinken war echt unschlagbar.

Am Nachmittag besichtigten wir dann doch noch eine kleine Tempelanlage, weil wir alle ein schlechtes Gewissen hatten, dass wir an dem Tag erst so wenig Kultur gesehen hatten verglichen mit den anderen Tagen. Danach ging's aber auf die Dachterasse unsres Hotels,wo wir uns gemütlich in Hängematten bis zum Abendessen unseren Büchern widmeten. Das Abendessen war wie zu erwarten wieder ein Festmahl und nach ein paar Runden Billard ging's ins Bett.

Hue und Hoi An

Nach einer Nacht im Schlafwagon waren wir zwar nicht unbedingt die frischesten, aber nach einer warmen Dusche doch fit genug um zur purpurnen Stadt zu gehen, der ehemaligen Hauptstadt. Leider holte mich dort das Schicksal wieder ein, dem ich zuvor erfolgreich zwei Monate lang enteilt war. Ich verlor mal wieder was, dieses Mal meinen Geldbeutel mit allen Bankkarten, ein bisschen Bargeld und anderen Sachen, die zwar nicht so wichtig, aber doch schöne Andenken an die Zeit in Singapore gewesen wären, z.B. meine NUS Student Card. Die Purpurne Stadt war somit für mich gelaufen und ich fuhr sofort zurück ins Hotel, wo ich mit der Hilfe von meinem Paps alle Karten sperren konnte. An dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön und Entschuldigung für all das Chaos das ich mal wieder verursacht hatte.

Beim ganzen email schreiben stolperte ich dann über ein Email vom Atlantik Hotel in Hanoi. Der Manager war besorgt und wollte wissen, ob alles mit uns okay sei, weil wir doch eine Anzahlung geleistet hätten, aber nie in seinem Hotel angekommen wären. Da wurde uns bewusst, wie krass wir beschissen worden waren. Uns war zwar kein finanzieller Schaden entstanden aber allein das Gefühl auagetrickst geworden zu sein, wurmte uns schon sehr. Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit dem Besichtigen von Pagoden, dem Markt bevor wir den Tag mit tollem Fisch, Bier und Billard ausklingen ließen.

Da wir am nächsten Tag nur eine vergleichsweise kurze Wegstrecke zurücklegen mussten, hatten wir uns für den Mittagsbus nach Hoi An entschieden, was uns am Vormittag noch die Zeit gab eine berühmte Grabanlage zu besichtigen. Dieses Mal blieb ich vom Unglück verschont, aber Jochen rutschte auf ein paar nassen Steinen aus und viel von einer kleinen Mauer. Zum Glück war der Boden ordentlich vom Regen aufgeweicht und matschig, sodass er sich nicht wirklich weh tat, aber seine Klamotten konnten wir erstmal in Hoi An in die Wäsche geben.

Dort kamen wir dann am späten Nachmittag an. Die Stadt ist unter anderem bekannt für seine über 2000 Schneider und die historische Altstadt, die im Licht der Lampions auch wirklich zauberhaft aussah. Nachdem wir ein bisschen herum gebummelt waren, beschlossen wir am Fluss auf einer Dachterasse zu Abend zu essen und einmal mehr war das Essen einfach wahnsinn.

Am nächsten Tag stand dann ein bisschen Sightseeing auf dem Programm, unter anderem der lokale Markt, eine alte japanische Brücke und alte Häuser. Nachdem wir (mal wieder) ausgiebig zu Mittag gegessen hatten ließen wir es am Nachmittag etwas ruhiger angehen und nachdem wir hoch einen alten Tempel gesehen hatten gingen wir zurück zum Hotel wo wir die letzte Stunde bevor unser Nachtbus kam mit Lesen, Postkarten schreiben und Emails verbrachten.

Halong Bay und Hanoi

Früh morgens am Mittwoch den 02. Dezember wurden wir am Hotel abgeholt und nach Halong Bay gebracht. Dort bestiegen wir mit ca. 15 anderen Leuten ein Boot und raus ging es in eine der berühmtesten Buchten der Welt. Zuerst gab es lunch auf dem Boot. Anschließend schipperten wir vorbei an irgendwelchen Felsmassiven, die dort zu tausenden aus dem Wasser ragen. Es sah wirklich beeindruckend aus. Nachdem wir noch zwei Höhlen besichtigt und uns bewusst viel Zeit gelassen hatten ging es zurück aufs Boot. Der Grund unsere Trödelei war der Sonnenuntergang den wir unbedingt auf dem Boot sehen wollten, was uns zum Glueck auch gelang. Anschließend ging es drei Stunden lang zurück nach Hanoi. Ein erfolgreicher Tag wurde dann mit Abendessen und ein paar lokalen Bieren (die übrigens überall je nach location nur zwischen 35 Cent und €1,35 kosten, aber nie mehr. Meistens war Cola teurer als Bier, also kann sich der aufmerksame Leser ausmalen was das Hauptgetränk unserer Reise war) im Old Quarter der Stadt zu Ende gebracht.

Am Donnerstag sah unser Reiseplan Sightseeing in Hanoi vor und abends mit dem Nachtzug nach Hue. Wir besuchten das Ho Chi Minh Mausoleum, seine letzten Wohn - und Arbeitsstätten und das Museum of Anthropology. Nach einem leckerem lunch auf einer Dachterasse waren wir noch im Temple of Literature und bummelten ein bisschen durch's Old Quarter. Danach ging's nochmal kurz ins Hotel, wo wir endlich unsere Zugtickets abholen konnten. An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis für alle die noch durch Vietnam reisen wollen: Kauft die Zugtickets nur am Bahnhof. Unser freundlicher Hotel-Manager hatte nämlich nicht nur den langsameren (und somit auch deutlich billigeren) Zug gebucht, sondern auch fast doppelt so viel dafür verlangt und sich somit selbst eine gute Provision genehmigt. Stocksauer aber auch einigermaßen müde schliefen wir aber dann kurz nach der Abfahrt ein.

Vietnam - Der Anfang

Der Beginn unserer Reise nach Vietnam war gekennzeichnet von einigen Schwierigkeiten und Anfängerfehlern, die uns eigentlich nicht hätten passieren dürfen. Jochen, der unsere Flüge gebucht hatte, hatte bereits eine Woche vor Abflug für die erste Aufregung gesorgt. Er hatte nämlich unsere Flüge statt wie geplant für den 2. Dezember aus Versehen für den 1. Dezember gebucht. Das Problem war, dass 3 Mitglieder unsere fünf-köpfigen Reisegruppe an dem Tag noch eine Prüfung schreiben mussten und es da eine signifikante zeitliche Überschneidung gab. Nachdem wir aber dem Professor unsere Situation erklärt und im Dean's Office vorgesprochen hatten, durften Till, Jochen und ich eine Stunde früher und unter besonderer Aufsicht die Prüfung schreiben. Eine solche Ausnahmeregelung, so ließ man uns wissen, hätte es in den letzten zehn Jahren nicht gegeben.

Wir waren natürlich super happy und gleich nach der Prüfung ging es zum Flughafen. Dort warteten bereits Lukas und Michael (sprich der Rest unserer Reisegruppe) sowie weitere Probleme auf uns. Lukas, Till und Jochen hatten nämlich Visas, die sie erst ab dem 02. Dezember zur Einreise nach Vietnam berechtigte, was beim ursprünglichen Flugtermin auch kein Problem gewesen wäre. Mit viel Charme und ein bisschen Flunkern konnten wir dann aber die Check-in lady überzeugen, dass schon alles okay wäre. Wir wussten zum dem Zeitpunkt natürlich nicht, was die Einreise-Beamten in Vietnam zu dem Thema zu sagen haben würden.

Glücklicherweise hatten die Zoll-Beamten aber auch nix dagegen und ließen die drei anstandslos einreisen. Nachdem wir uns mit Vietnamesischen Dongs ausgestattet hatten, fuhren wir mit dem Taxi zu unserem Hotel. Als wir dort ankamen, erklärte uns ein freundlicher junger Vietnamese, dass wir leider auf ein anderes Hotel umgebucht werden mussten, welches aber dem gleichen Besitzer gehörte. Wir schenktem ihm Glauben, was sich noch als folgenschwerer Irrtum herausstellen sollte. Nach einem kurzen dinner und ein paar drinks ging es dann aber ins Bett, weil am nächsten Tag ein Tagestrip nach Halong Bay auf dem Programm stand.

Montag, 30. November 2009

Die letzten Uni Tage

Man mag es kaum glauben, aber morgen um 14:30 Uhr ist mein Auslandssemester in Singapore offiziell vorbei. Wenn man zurueck blickt, ist die Zeit unglaublich schnell vergangen, aber ich habe auch unglaublich viel erlebt seit Juli. Das meiste hab ich ja bereits berichtet, aber bevor ich morgen meinen Trip nach Vietnam und Kambodscha antrete, gibt es noch ein kurzes Update.

Seit ich aus Shanghai zurueck gekommen bin, war vor allem Lernen angesagt fuer meine Abschlusspruefungen. Trotzdem blieb noch genug Zeit fuer die ein oder andere vergnuegliche Aktivitaet.

Inspiriert von den kulinarischen Koestlichkeiten in China ging es eines Abends zum Beispiel ins Rotlichtviertel von Singapore, weil es dort angeblich das beste Essen der Stadt gibt. Da die meisten Leute dort inzwischen wirklich nur noch zum Essen hingehen, ist von dem urspruenglichen Rotlichtviertel nicht mehr viel zu sehen. Kulinarisch wurde ich auch wirklich nicht enttaeuscht. Es gab Froschschenkel, Austernomelette und Carrot Cake, und ich kann wirklich jedem nur empfehlen, mal zum essen in diese Ecke der Stadt zu fahren.

Natuerlich musste auch unser Trip nach Vietnam und Kambodscha organisiert werden, was ich in Zusammenarbeit mit dem Jochen, einem meiner neuen Freunde hier in Singapore, mit viel Freude und dem ein oder anderen Bier gemacht habe. Mal schauen, ob alles so klappen wird, wie wir uns das vorgestellt haben.

Am vergangenen Samstag waren wir dann noch beim Pferderennen. Seit meiner Zeit in Minneapolis bin ich ein grosser Fan von Veranstaltungen dieser Art und ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, in moeglichst vielen verschiedenen Laendern zu Pferderennen zu gehen. Ein satter Gewinn von 10 SGD (umgerechnet 5 Euro) trug natuerlich massgeblich zum Erfolg dieses Ausfluges bei.

Abgesehen von den eher unspektakulaeren oben erwaehnten Aktivitaeten, war ich den letzten zwei Wochen auf zahlreichen Abschiedsparties, da ein Austauschstudent nach dem anderen Singapore wieder verlassen hat. Morgen gehoere auch ich dazu, auch wenn ich vom 16. bis 20. Dezember noch ein paar Tage hier verbringen werde.

Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich das alles hier erleben durfte. Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit hier und ich konnte wirklich einiges mitnehmen. Ich hoffe auch euch ein paar Freuden mit meinen Berichten bereitet zu haben. Von Vietnam und Kambodscha werde ich aber auf alle Faelle noch zu berichten wissen. In diesem Sinne viele Gruesse in die Heimat und bis bald.

Dienstag, 17. November 2009

China

Nachdem ich das meiste für die Uni erledigt hatte (siehe vorheriger Eintrag) ging es am Donnerstag Morgen Richtung Shanghai. Dort angekommen musste ich sogleich die erste Schwierigkeit überwinden, da absolut niemand dort Englisch am Flughafen spricht und ich der netten Dame am Immigrations Office einfach nicht klarmachen konnte, dass ich noch nicht weiss wo ich meine erste Nacht verbringen werde. Glücklicherweise konnte ich meinen Freund Jun telefonisch erreichen, der dann einem anderen Officer auf chinesisch die Adresse durchgeben konnte. Dann war es endlich soweit und ich betrat zum ersten Mal chinesischen Boden.

Mein ehemaliger Mitbewohner und Freund Jun, wartete bereits auf mich mit dem A6 seines Papas und wir fuhren nach Dowtown Shanghai. Da Juns Eltern etwas außerhalb von Shanghai wohnen (in etwa die Distanz Regensburg – München), war der Plan die ersten zwei Nächte im Hotel in Shanghai zu verbringen, dann für zwei Nachte in Jun’s Heimatstadt zu fahren und dann die letzte Nacht wieder in Shanghai zu verbringen.

Nachdem wir eingecheckt hatten, ging es sofort in eine riesen Mall, in der es auch einige sehr gute Restaurants mit Blick auf den Fluss und den Bund (alte Gebäude von den Europäern gebaut) gab. Der gute Jun übernahm (wie auch im weiteren Verlauf meines Aufenthalts) das Bestellen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt weiss ich leider immer noch, was ich alles gegessen habe, aber es war unglaublich lecker. Was ich weiß, war Quallen – Carpaccio und Haifischflossensuppe (was ich mir persönlich nie selbst bestellt hätte, weil ich die Art und Weise wie die Chinesen die Viecher abschlachten nicht okay finde, aber Jun meinte, dass ich diese lokale Spezialität unbedingt einmal probiert haben musste). Anschließend gingen wir noch auf ein paar drinks in ein paar Bars und dann ins Hotel.

Am nächsten Tag gab es erst chinesisches Frühstück mit Gebaeck und suesser Bohnensuppe (kann man mal essen, muss man aber nicht jeden Tag haben) und holten dann eine alte Freundin von Jun ab, mit der wir dann Mittagessen gingen. Dieses Mal wusste konnte ich zumindest identifizieren was es gab und es war wieder extrem lecker. Eine Info am Rande: Essen spielt in China eine sehr große Rolle und es wird immer so viel bestellt, dass die Sachen fast keinen Platz mehr auf dem Tisch haben und dass man überhaupt gar nicht alles aufessen kann. Das sympathischste ist aber, dass es Nudeln und Reis erst ganz zum Schluss gibt, falls man wirklich noch Hunger haben sollte. Davor gibt es Fleisch, Fisch, Gemüse etc. aber keine Beilagen.

Nach dem ausgiebigen Mittagessen stand Sightseeing auf dem Programm. Da es aber schweinkalt in Shanghai war (ca. 10 Grad, gefühlte Minus 10 Grad für mich nachdem ich in Singapore konstant 30 Grad habe), musste ich mir erstmal eine Wollmütze kaufen. Dann besichtigten wir einen der ältesten buddhistischen Tempel der Stadt, einen wunderschönen chinesischen Garten und gingen danach in ein chinesisches Kaufhaus, in dem es günstige chinesische Markenreplikate in unglaublicher Qualitaet gab. Der aufmerksame Leser ahnt bereits was als naechstes kommen wird... Vollkommen richtig: Abendessen! Dieses Mal gab’s unter anderem Taubensuppe, es war natürlich wieder ausgiebig und anschließend ging es in einen Club zum Feiern.

Am nächsten Morgen verließen wir Shanghai und fuhren erst zu einem im Westen gelegenen 1000 Jahre alten chinesischen Dorf genannt Xitang. Obwohl inzwischen alle Dorfbewohner Computer und Handys haben, versucht man das Ganze so traditionell wie möglich zu gestalten, was leider nur zum Teil gelingt. Der Kommerz steht eindeutig im Vordergrund und wenn die Chinesin gerade nicht essen (ein Restaurant reihte sich beinahe an das nächste, dazwischen ein paar einfach Fressstände und Cafes), dann kaufen sie ein. Somit gab es in allen Häusern, die nicht gerade Restaurant oder Hotels waren, die Möglichkeit einzukaufen. Das Dorf hat übrigens auch durch Tom Cruise an Beliebtheit gewonnen, weil er dort im Film Mission Impossible 3 durch die Gassen läuft.

Anschließend ging es in Jun’s Heimatstadt, wo bereits die halbe Familie (Eltern, Oma, ein Onkel, zwei Cousins und eine Cousine) im kleinen Restaurant der Tante auf uns wartete. Nachdem ich noch nie Schlange gegessen hatte, hatte Jun vorher Bescheid gegeben und das natürlich wieder überaus üppige Essen begann mit Schlangen Suppe. Anschließend gab es gegrillte Schlange und viele andere Köstlichkeiten. Für alle die ebenfalls mal Schlange probieren wollen: Das Fleisch ist sehr lecker, relativ fest und eine Mischung zwischen Huhn und Fisch. Leider war ich nicht hundert prozentig von der Zubereitungsart überzeugt, weil ich im Grunde genommen die meiste Zeit damit beschäftigt war, Gräten und Knorpel auszuspucken. Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt: Chinesische Tischmanieren: Im Grunde ist alles erlaubt. Was man nicht isst, spuckt man vor sich auf den Teller (muss auch nicht dezent sein), man schlürft wenn es einem schmeckt, man zündet sich eine Zigarette an, wenn einem danach ist und man prostet sich alle 3 bis 5 Minuten zu. Leider konnte ich nicht so wirklich mit dem Clan kommunizieren, da Jun der einzige ist der gutes Englisch spricht. Seine zwei jüngeren Cousins lernen es zwar in der Schule, hatten aber zu viel Angst um mit mir zu reden.

Nachdem im Haus von Jun’s Eltern leider kein Gästezimmer zur Verfügung stand ging es nach dem Essen erstmal zur Massage und danach ins Hotel. Am nächsten Morgen fuhren wir dann mit den Eltern zu einem Geschäftspartner von Juns Vater. Dieser produziert Motorräder, Roller und Elektroscooter wofür Jun’s Eltern die Batterien liefern. Nachdem mit der Geschäftspartner stolz seine englische Broschüre gezeigt hatte und ich gefühlte 50 Fehler allein auf der ersten Seite gefunden hatte, machte ich mich erstmal nützlich und verbesserte zusammen mit Jun den Text. Er war super dankbar dafür und man kann es schon erahnen, lud uns alle zum Mittagessen in ein sehr nobles chinesisches Fischrestaurant ein. Es gab diverse gegrillte Fische, Garnelen und wahrscheinlich die groessten Austern die ich je in meinem leben gegessen habe.

Danach fuhren die Zhangs und ich zu einer der groessten Buddha Statuen Chinas. Nachdem Juns Vater nicht besonders gläubig ist, beschloss er im Auto auf uns zu warten und ein Nickerchen zu machen. Juns Mutter war aber hellauf begeistert und versuchte mir alles zu erklären. Leider war das Wetter nicht besonders gut, denn es begann zu regnen und bei inzwischen nur noch 5 Grad kann man sich auch angenehmere Sachen vorstellen, als bei dem Wetter im Freien herumzulaufen, aber egal. Anschließend ging es wieder zurück in Jun’s Heimatstadt und zum Abendessen mit der ganzen Famiie (dieses Mal waren neben den Eltern, zwei Onkels, die Tante, die Oma und noch Freunde des einen Onkels dabei). Es gab wieder Schlange, außerdem frittierte Grillen, Schaf, Hase und ein paar andere Dinge, die ich wieder nicht kannte, aber natürlich brav ass. Juns Onkel hatten es sich zur Aufgabe gemacht, mich betrunken zu machen, was ihnen leider nicht gelang. Deshalb fuhren Jun und ich anschliessend noch in eine lokale Bar, wo ich mit den Barkeepern ein lokales Würfelspiel ca. 20 Stunden lang spielte und vollbrachte, was den Onkeln vorher nicht gelungen war ;-)

Der nächste Tag begann wie der letzte geendet hatte – mit Alkohol und Essen. Beim abschließenden Mittagessen mit der Familie, gab es wieder Schlange (dieses Mal eine andere, die mir persönlich besser schmeckte), Krebse und wieder viel chinesischen Reiswein. Außerdem wurde ich beschenkt, als ob schon Weihnachten wäre (Zwei Teekannen einmal von Juns Eltern, einmal von seinem älteren Onkel, eine Schriftrolle mit alten Chinesischen Zeichen, die ich mir an die Wand hängen soll, ebenfalls vom älteren Onkel, außerdem noch eine besondere Art von chinesischem Tee, welcher zu einer großen Platte zusammengepresst wurde und ganz komisch zubereitet wird. Ich denke aber, dass ich ihn einfach so lassen werde, weil das ganze viel zu beeindruckend ist, als das man das einfach so trinken kann).

Zurück in Shanghai gingen wir erst noch mal einkaufen und dann mit zwei Freunden von Jun zum Abendessen. Dieses Mal gab es traditionellen Hotpot, allerdings gibt es ausnahmsweise keine kulinarischen Besonderheiten zu berichten. Danach gingen wir ein eine Entspannungslandschaft chinesischer Art. Ich weiß leider nicht, wie man das anders nennen kann, denn es gab einfach alles da: Sauna, heiße Bäder, Massage, Live Comedy und anderes Unterhaltungsprogramm, Billard, Tischtennis, Kartenspiele und vieles mehr. Nachdem wir uns erstmal eine Massage gegoennt hatten, beschlossen wir auch die Nacht da zu verbringen, da wir ansonsten um Mitternacht noch in ein Hotel haetten fahren muss. Fuer zwei Euro Aufpreis konnte man aber einfach in den überdimensionalen Sesseln im großen Entspannungsraum schlafen. Jeder der Sessel war mit einem eigenen Fernseher ausgestattet und am nächsten Morgen gab es sogar Frühstück.

Am Dienstag – und somit letzten Tag meines Kurztrips – fuhren wir dann noch mal in die Innenstadt zum Peoples’ Square und in ein Museum, welches nicht nur Shanghai in Miniaturansicht bietet sondern auch über die im kommenden Jahr stattfindende Expo ausführlich berichtet. Nach einem letzten chinesischen Essen ging es dann zurueck zum Flughafen und nach Singapore.

Mein Fazit: China ist absolut beeindruckend. An allen Ecken und Ende wird gebaut. Hochhäuser schießen nur so aus der Erde, sodass sogar der Jun manchmal Probleme hatte sich zurecht zu finden, weil vor zwei Jahren noch vieles anders aussah oder nicht vorhanden war. Die Weltwirtschaftkrise ist somit definitiv nicht in China angekommen. Die beliebtesten Autos in China kommen aus Deutschland, wobei der VW Santana mit Abstand das meist gefahrenste Auto in Shaghai ist. Aber auch die anderen Volkswagen Modelle, Audi, BMW, Mercedes und Porsche sind alle paar Meter auf den Strassen zu sehen. Die Chinesin waren unglaublich nett und zuvorkommend. Jun’s Familie hat mich behandelt wie ihren eigenen Sohn und das trotz der sprachlichen Barrieren. Auch alle anderen Menschen, die ich in den letzten Tage getroffen habe, waren super freundlich und wollte immer mit mir sprechen, auch wenn wir uns mit Händen und Fuessen verständigen mussten. Vom Essen war ich mehr als nur begeistert. Es gibt fast alles nur erdenkliche. Wer wirklich alles mal essen möchte, muss weiter in den Westen von China. Dort gibt es wirklich das volle Programm mit Hunden, Katzen, Ratten etc.

Ich denke, dass ich nicht zum letzten Mal in China war und ich hoffe, dass ich euch mit diesem langen Eintrag nicht zu sehr gelangweilt habe, aber ich musste einfach alles erzählen was ich in den letzten Tagen so erlebt habe. In diesem Sinne, viele Gruesse. Ich melde mich wieder wenn meine Abschluss Examen vorbei sind.